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Die Ausstellung
Viermal Leben – Jüdisches Schicksal in Blankenese

Viermal Leben: drei Frauen und ein Mann. Vier ganz verschiedene Berufs- und Lebenswelten mit unterschiedlichem Grad an Wirkung und Prominenz. Was diese vier Menschen verband: sie lebten in Blankenese, sie waren Juden, sie wählten- seit 1933 ausgegrenzt und bedroht- den Freitod.


Die Ausstellung will den ganz unterschiedlichen Reichtum dieser Lebensläufe, die Bedeutung, die sie für das deutsche Kultur- und Wirtschaftsleben hatten, aufzeigen. Aber sie will auch die Normalität dieser Menschen in ihrem jeweiligen sozialen Gefüge- Familie und Freundeskreis, Firma und Künstlerbund- beschreiben. Und die brutale Zäsur, die die Machtübertragung an die Nazis 1933 für jeden von ihnen bedeutete. Jeder hat diesen Terror unterschiedlich erlebt und die Phasen der schrittweisen Vernichtung nahmen ein spezifisches Tempo. Aber die Weise, wie sie ausgegrenzt, isoliert, ihrer Existenzgrundlagen beraubt, durch Deportation bedroht und in die Verzweiflung getrieben wurden, war doch zugleich Teil eines Schicksal, dass sie mit hunderttausenden anderen Juden in Deutschland teilten: am Ende stand der Tod. Daß ihr Tod sich nicht in den fernen Vernichtungslagern und unter den dort etablierten Formen der anonymen, fabrikmäßigen Auslöschung, sondern in ihren Wohnungen, unter den Augen der Nachbarn, in Blankenese vollzog, rückt ihr Leben und dessen plötzliches Ende so nah. Sie sind unter uns gestorben- vielleicht wirkt daher das Erinnern so intensiv. Wenn man ihm denn einen Raum gibt. Das will diese Ausstellung.

Sie wird die Geschichte ihrer Protagonisten anhand von offiziellen Dokumenten, privaten Lebenszeugnisses und Fotos- als Faksimiles und im Original- erzählen. Dabei wird der Kontext der Judenverfolgung in Deutschland ebenso thematisiert wie ihre Lage im sogenannten liberalen Hamburg. Ein Modell von Blankenese mit den markierten Häusern der hier lebenden und dann in den Tod getriebenen Juden soll zeigen, was der Satz meint "unter den Augen der Nachbarn" deportiert werden oder sterben

Die Ausstellung stellt das Leben dieser vier Menschen aus Blankenese dar, die - von den Nazis in eine ausweglose Situation getrieben oder von der Deportation in ein KZ bedroht - ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt haben. Sie haben alle zum kulturellen wie ökonomischen Reichtum Hamburgs und Blankeneses beigetragen, waren geachtete Bürger, ehe sie als Juden verfolgt wurden: der Kaufmann Julius Asch, der seinen Gutshof Marienhöhe aufh zu einem Erholungsort für jüdische Kinder machte; die Malerin Alma del Banco, die ein bekanntes Mitglied der HJamburger Sezession war, bis ihre Bilder als entartet gebrandmarkt wurden; Sophie Jansen, Autorin von Bestsellern wie Bebi und Bubi und gleichzeitig die erste weibliche Armenpflegerin, zunächst in Barmbek, dann in Blankenese; Ida Dehmel, die nicht nur durch ihre Ehe mit Richard Dehmel, sondern auch durch ihr Eintreten für das Frauenstimmrecht und die Gründung einer Organisation künstlerisch tätiger Frauen (GEDOK) in ganz Deutschland bekannt und geachtet war.

Blankenese/Theresienstadt
Die Geschichte von Blankenese zeigt, wie die große Geschichte Deutschlands und Hamburgs in das Leben der Menschen am Ort eingegriffen hat, wie der Nationalsozialismus im gesellschaftlichen Leben Fuß gefasst hat und Mehrheitsmeinung wurde, wie Menschen wegen ihrer Herkunft diskriminiert, verfolgt und ermordet wurden, aber auch, dass es Menschen gab, die den Verfolgten geholfen haben. Das KZ Theresienstadt war für die meisten der von Blankenese Deportierten das Ziel.

Das Gedenkbuch für die Blankeneser Juden
erinnert an alle in Blankenese damals beheimateten Juden und wegen ihrer Herkunft als Juden verfolgten und diskriminierten Menschen. Es wird dargestellt, wie sie den Schrecken der Nazizeit erlebt haben, ob sie dessen Opfer wurden, wohin sie emigriert sind oder ob sie in Blankenese überlebt haben.
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Das Gedenkbuch der Evangelischen Kirchengemeinde
versucht, die Geschichte der Gemeinde im Dritten Reich darzustellen. Es zeigt ihre Verbindung mit dem Gedankengut des Nationalsozialismus, die dadurch geleistete Mitwirkung an dessen Etablierung und es dokumentiert, dass die Gemeinde sich auch praktisch – z. B. durch die Einrichtung eines Kirchenbuchamtes – in den Dienst des NS-Regimes hat einbinden lassen.

Die Materialien zur Geschichte von Schulen und Vereinen sammeln und beschreiben einzelne Vorfälle in Blankenese, die Aufschluss geben über das gesellschaftliche Milieu.

Die Gedenkbücher und Materialien sind unvollständig. Wir bitten, uns zur Vervollständigung Kenntnisse über die Menschen und die damalige Zeit mitzuteilen - siehe Kontakt.

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